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Olympus OM-D E-M10 Testbericht

Redaktion, 18. Juli 2014
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Die E-M10 ist die kleinste und günstigste Systemkameras innerhalb Olympus‘ OM-D-Familie. Doch obwohl die Japaner im Vergleich zum Spitzenmodell kräftig den Rotstift angesetzt haben, machen sich die Sparmaßnahmen in der Praxis kaum bemerkbar. Schon eher, dass Olympus als Wegbereiter des Micro-Four-Thirds-Formats auf einen relativ kleinen Bildsensor setzt. Dadurch wird die OM-D E-M10 erfreulich handlich, auch die Objektive können kompakter ausfallen als bei einer Kamera mit größerem Sensor. Andererseits hat eine geringe Sensorfläche eher negative Folgen für die Bildqualität. Gilt das auch für die OM-D E-M10?

(60 Rezensionen)

POSITIV

  • + hochwertiges Gehäuse
  • + Schlüssiges Bedienkonzept mit frei konfigurierbaren Knöpfen und Reglern
  • + große Auswahl an hervorragenden Objektiven
  • + Überragender Ausstattungsumfang
  • + flotter Autofokus

Negativ

  • - etwas eingeschränkte WiFi-Funktionen
  • - Video nur mit 30 fps

Design und Verarbeitung

Das Design der OM-D E-M10 lehnt sich stark an Kameras aus den 70er Jahren an. „Form follows function“ eben. Und so muss man den zerklüfteten Look mit dem weit hervorragenden Sucherbuckel und den großen Einstellrädern auf der Topplatte schon lieben, um die E-M10 schön zu finden. Ohne Zweifel wirkt die Systemkamera traditionell, insbesondere die schwarz-silberne Variante.

Robust die ist E-M10 auf alle Fälle: Top- und Bodenplatte fertigt Olympus aus Metall, ebenso die Einstellräder auf der Oberseite. Der Kunststoff auf der Frontseite ist genarbt, das sieht nicht nur klassisch aus, sondern sorgt auch für zusätzlichen Halt. Nur spritzwassergeschützt ist die E-M10 nicht, das behält Olympus den höherwertigen Modellen E-M1 und E-M5 vor.

Die Optik der Olympus OM-D-E-M10

Ergonomie und Bedienung

In der Hand erweist sich das Design der E-M10 als gelungen. Die beiden Haupt-Einstellräder oben auf der Kamera sind spielend einfach zu erreichen, ebenso der sehr große Auslöser. Auf der Rückseite hat Olympus eine stark ausgeformte Daumenauflage angebracht, die für zusätzlichen Halt sorgt. Das kann man vom nur schwach ausgeprägten Handgriff auf der Kamerafront leider nicht sagen. Immerhin lässt sich optional ein größerer Griff an der Kamera montieren. Eine gute Idee von Olympus, denn bereits mit dem sehr kompakten Set-Objektiv 14-42 mm 3.5-5.6 ED EZ drückt die OM-D E-M10 ein gutes Pfund auf die Waage.

Die Schnittstellen an der rechten Seite der E-M10 schützt Olympus mit einer großflächigen Gummiabdeckung. Sie erfüllt zwar ihren Zweck, ist aber deutlich fummeliger zu öffnen und schließen als eine richtige Klappe. Die gibt’s nur für das Akku- und Speicherkartenfach am Boden der Kamera. Eine Akkuladung reicht übrigens für rund 320 Aufnahmen, für längere Fototouren sollte man da einen frisch geladenen Ersatzakku in der Fototasche haben.

Alle Bedienelemente sind leicht zu erreichen

Heutige Digitalkameras sind derart mit Funktionen vollgestopft, dass jeder Hersteller vor dem Problem steht: Wie bleibt die Kamera gut bedienbar? Olympus hat dafür gleich mehrere Lösungen gefunden. So lassen sich drei Knöpfe mit Funktionen Ihrer Wahl belegen. Aber auch den griffigen Einstellrädern können Sie weitere Funktionen zuweisen, ebenso zwei Tasten auf der Vierwege-Wippe an der Kamerafront. Ein Manko bleibt jedoch: dass die Tasten winzig klein sind und sich eigentlich nur mit dem Fingernagel gedrückt werden können.

Aber es gibt ja noch den berührungsempfindlichen Bildschirm zur Kamerasteuerung. Durch die Menüs per Fingerwischer navigieren, das geht leider nicht. Dazu muss man die Tasten auf der Vierwegewippe bemühen. Dafür hat sich Olympus eine andere Funktion ausgedacht: Sobald das Display nach oben oder unten weggeklappt wird, deaktiviert die OM-D E-M10 den elektronischen Sucher. Andernfalls schaltet er sich nur ein, wenn Sie die Kamera vors Auge heben. Obwohl der Sucher lediglich 1,44 Millionen Punkte auflöst, ist die Darstellung klar und detailliert. Hinzu kommt, dass die E-M10 die Sucherhelligkeit automatisch anpasst, so überstrahlt der Sucher zum Beispiel in einem dunklen Partykeller nicht.

Ausstattung und Funktionen

Olympus hat die OM-D E-M10 derart mit Funktionen vollgestopft, dass man sich eher fragt, was fehlt. Etwa eine Panorama-Automatik, die ein Breitbild aufzeichnet, während Sie die Kamera schwenken. Oder eine Anschlussmöglichkeit für ein externes Mikrofon. Ansonsten ist die Ausstattung der E-M10 mehr als komplett. Wer ohne viel Federlesen fotografieren möchte, überlässt es der intelligenten Vollautomatik, die Kamera richtig einzustellen. Anspruchsvolle oder experimentierfreudige Fotografen können dagegen alles selbst übernehmen – auch die Belichtungssteuerung und Entfernungseinstellung. Einzigartig ist die Live-Bulb-Funktion von Olympus. Sie hilft bei Langzeitbelichtung, etwa von einem Feuerwerk, die optimale Belichtungszeit nach Augenschein zu finden. Dazu wird das Sucherbild mit fortdauernder Belichtungszeit immer heller, der optimale Zeitpunkt zum Beenden der Aufnahme zeigt sich also im Sucher oder auf dem Display.

Die Bedienelemente an der Oberseite

Ebenfalls an Bord hat die OM-D E-M10 eine HDR-Automatik, die mehrere unterschiedlich belichtete Fotos zu einem Bild mit perfekten Kontrasten verschmilzt. Wer seine HDR-Fotos lieber selbst am Rechner erzeugt, wird sich darüber freuen, dass die E-M10 Belichtungsreihen mit einem weiten Abstand von bis zu 5 LV aufnehmen kann. Weitere professionelle Funktionen: Der Spotbelichtungsmesser lässt sich wahlweise auf die Tiefen und Lichter ausrichten, die Weißabgleichautomatik kennt einen speziellen Kunstlichtmodus, der die warme Stimmung von Glühbirnen wahrt, die ISO-Automatik funktioniert auch bei manueller Belichtungssteuerung und vieles mehr.

Wenn es um Videoaufnahmen geht, geizt die OM-D E-M10 allerdings etwas mit Möglichkeiten. Vor allem erlaubt sie maximal 30 Vollbilder pro Sekunde beim Filmen – Standard ist mittlerweile das Doppelte. Dafür wartet die Kamera mit einem ganz besonderen Bildstabilisator auf: Sie gleicht Verwacklungen per Sensorshift aus. Das Verfahren ist zwar nicht ganz so wirkungsvoll wie ein optischer Bildstabilisator, bietet aber einen entscheidenden Vorteil: Es funktioniert mit praktisch jedem Objektiv, das sich an die OM-D E-M10 ansetzen lässt. Video-Aufnahmen stabilisiert die Kamera zusätzlich elektronisch, sodass auch Filme aus der Hand ruhig wirken.

Eine Funktionsfülle auf Profi-Niveau bietet ferner das Blitzsystem der OM-D E-M10. Über ihren Zubehörschuh lässt sich ein leistungsstarkes Systemblitzgerät anschließen, alternativ wartet die Kamera mit einem kleinen Bordblitz auf. Der ist zwar nicht sonderlich kräftig, kann aber externe Blitzgeräte drahtlos steuern.

Leistung

Auf dem Papier gibt sich der Autofokus der OM-D E-M10 konventionell, er arbeitet ausschließlich mit der an sich langsamen Kontrastmessung. Dennoch stellt die Systemkamera rasant scharf. Bei Schnappschüssen ist die Aufnahme praktisch in dem Moment im Kasten, in dem Sie den Auslöser drücken. Rasant geht es auch bei Reihenaufnahmen zu, die E-M10 nimmt bis zu acht Fotos in der Sekunde (8 fps) auf. Allerdings führt sie bei dieser Schussfahrt den Fokus nicht nach, er bleibt auf die Entfernungseinstellung der ersten Aufnahme fixiert. Soll die Entfernung für jedes Bild der Serie nachreguliert werden, sinkt die Serienbildrate auf 3,5 fps.

Die OM-D-E-M103 aus der Seitenperspektive

Wie praktisch alle Systemkameras zeigt auch die OM-D E-M10 bei Serienaufnahmen mit hoher Geschwindigkeit nicht das aktueller Sucherbild. Stattdessen erscheint für einen kurzen Moment das zuletzt aufgenommen Foto. Das macht es schwierig, Motive im Bild zu halten, die sich rasch an der Kamera vorbeibewegen.

Wiedergabe und Konnektivität

Wie es sich für eine zeitgemäße Kamera gehört, lässt sich auch die OM-D E-M10 via WiFi mit einem Mobilgerät verbinden, jedoch nicht mit einem Rechner im Netzwerk. Für den Verbindungsaufbau hat sich Olympus etwas Pfiffiges ausgedacht: Die Kamera blendet dazu einen QR-Code auf dem Display ein, den Sie nur noch mit Ihrem Mobilgerät abfotografieren müssen. Gegenüber dem ähnlich simplen NFC das Verfahren einen Vorteil: Es funktioniert auch mit Mobilgeräten, die NFC nicht beherrschen, etwa von Apple.

Nicht gerade üppig sind die Bildbearbeitungsfunktionen im Wiedergabemodus. Allerdings bietet die OM-D E-M10 eine interessante Möglichkeit für RAW-Aufnahmen: Auf Knopfdruck erzeugt sie aus einem Bild zig Varianten jeweils mit einem anderen Kreativeffekt.

Bildqualität

Olympus gehört zu den Mitbegründern des Four-Thirds-Standards. Er schreibt einen Sensor mit dem Seitenverhältnis 4:3 vor, der nur halb so groß ist wie ein Kleinbildnegativ. Auf dieser Fläche drängeln sich bei der OM-D E-M10 rund 16 Millionen Fotozellen, die entsprechend klein ausfallen. Da die Größe der Fotozellen einen entscheidenden Einfluss auf die Bildqualität hat, ist die E-M10 gegenüber Kameras mit einem APS-C-Sensor theoretisch im Nachteil.

Beispielaufnahme 1

Beispielaufnahme 2

In der Praxis macht sich dieser Nachteil jedoch erst bei sehr hohen ISO-Werten bemerkbar. Bis etwa ISO 3200 liefert die OM-D E-M10 eine Bildqualität, die der einer APS-C-Kamera in nichts nachsteht. Dabei begeistert die Kamera vor allem mit einem sehr hohen Dynamikumfang, die OM-D E-M10 kann auch bei Motiven mit einem hohen Kontrastunterschied feinste Details noch sicher festhalten. Farben gibt sie naturgetreu wieder, eher mit einem warmen Ton als mit einem kühlen. Kontrast und Schärfe sind tendenziell knackig abgestimmt, lassen sich aber ganz nach Geschmack anpassen.

Werden sehr hohe ISO-Werte nötig, etwa in einer dunklen Kirche, nimmt die Bildqualität der OM-D E-M10 sichtbar ab. Bei Empfindlichkeitseinstellungen ab ISO 3200 muss die Rauschunterdrückung kräftig zupacken und filtert mit den Störpixeln leider auch feine Details heraus.

Das sehr flache Kit-Objektiv 14-42 mm 3.5-5.6 ED EZ macht angesichts seiner kompakten Bauweise eine gute Figur. Es löst recht hoch auf, nur im Weitwinkelbereich nimmt das Auflösungsvermögen zu den Bildrändern hin deutlich ab. Wie so viele Kit-Zooms eignet es sich damit weniger für anspruchsvolle Landschafts- oder Architekturaufnahmen. Aber dafür hat Olympus eine ganze Reihe hervorragender Objektive im Angebot, die allerdings auch ihren Preis haben.

Fazit

So viel Ausstattung wie die Olympus OM-D E-M10 bietet keine andere Systemkamera in der gehobenen Mittelklasse. Aber auch bei der Leistung spielt die Kamera im Retro-Design ganz vorne mit, das gilt insbesondere für den flotten Autofokus. Die Bildqualität weis ebenfalls zu gefallen, solange keine sehr hohen ISO-Werte nötig werden. Der immense Ausstattungsumfang erschwert allerdings die Bedienung etwas. Da hilft es auch nicht viel, dass Olympus die E-M10 mit einem Touchscreen versehen hat. Wer einfach nur eine Systemkamera für jede Gelegenheit sucht, könnte sich von der OM-D E-M10 schnell überfordert fühlen. Wenn es Ihnen dagegen auf eine Kamera mit 1001 Möglichkeiten ankommt, bietet die Olympus OM-D E-M10 ein nahezu unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis.

(60 Rezensionen)

POSITIV

  • + hochwertiges Gehäuse
  • + Schlüssiges Bedienkonzept mit frei konfigurierbaren Knöpfen und Reglern
  • + große Auswahl an hervorragenden Objektiven
  • + Überragender Ausstattungsumfang
  • + flotter Autofokus

Negativ

  • - etwas eingeschränkte WiFi-Funktionen
  • - Video nur mit 30 fps

Preisvergleich

Endnote 2,0 Gut

Testergebnis

Wie wir bewerten?
  • Verarbeitung/Design
    2.0
     
  • Bedienung
    1.5
     
  • Ergonomie/Haptik
    2.0
     
  • Funktionen/Ausstattung
    1.0
     
  • Leistung
    2.0
     
  • Bildqualität
    2.5
     
  • Videoqualität
    2.5
     
  • Wiedergabe/Konnektivität
    2.0
     
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