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Olympus OM-D E-M1 Testbericht

Redaktion, 13. November 2014
Endnote 1,9 Gut
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Die OM-D E-M1 ist nicht nur das Systemkamera-Flaggschiff von Olympus, sie soll auch die E-5, die letzte Spiegelreflexkamera von Olympus, ersetzen. Ebenso wie die Systemkameras von Panasonic setzt Olympus auf einen relativ kleinen Bildsensor im Four-Thirds-Format. Das ermöglicht die Konstruktion besonders handlicher Objektive, hat aber in der Regel keinen guten Einfluss auf die Bildqualität. Gilt das auch für die OM-D E-M1? Auf alle Fälle bietet die E-M1 einen riesigen Ausstattungsumfang. Damit die vielen Funktionen handhabbar bleiben, hat sich Olympus übrigens ein ganz besonderes Bedienkonzept für die OM-D E-M1 ausgedacht.

(79 Rezensionen)

POSITIV

  • + sehr hochwertiges, wettergeschütztes Gehäuse
  • + schneller Autofokus
  • + bester elektronischer Sucher ihrer Klasse
  • + leistungsfähiger Bildstabilisator

Negativ

  • - kein Bordblitz (Miniblitz mitgeliefert)
  • - gewöhnungsbedürftiges (aber dann gutes) Bedienkonzept
  • - keine Panorama-Automatik

Design und Verarbeitung

Tradition trifft Moderne – so lässt sich das Design der OM-D E-M1 knapp beschreiben. Traditionell ist der hoch aufragende Sucherbuckel, aber auch die großzügig dimensionierten Einstellräder könnten von einer analogen Kamera aus dem vorherigen Jahrhundert stammen. Modern ist dagegen der weit nach vorne gezogene aber schlanke Handgriff.

Das Gehäuse der E-M1 ist komplett aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung gefertigt. Trotz dieses leichten aber zähen Metalls ist die Kamera keineswegs ein Leichtgewicht. Ausgestattet mit dem Kit-Zoom M.Zuiko Digital 12-50 mm 3.5-6.3 ED EZ drückt sie gut 700 Gramm auf die Wage. Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass das Objektiv einen größeren Zoombereich abdeckt als bei Kit-Zooms allgemein üblich ist. Hinzu kommt, dass das Gehäuse deutlich größer ausfällt als bei der kleinen Schwester OM-D M10.

Die Magnesium-Aluminium-Legierung der OM-D M1

Ergonomie und Bedienung

Das große Gehäuse und der ausgeprägte Handgriff kommen eindeutig der Ergonomie zugute, die E-M1 liegt in der Hand wie angegossen. Zusätzlichen Halt gibt eine deutlich ausgeformte Daumenmulde auf der Rückseite der Kamera. Die beiden Einstellräder auf der Oberseite hat Olympus sehr günstig angeordnet, sie sind bequem für Daumen beziehungsweise Zeigefinger erreichbar. Das Moduswählrad ist übrigens mit einer Sperre versehen. Ist sie eingelegt, kann sich das Rad nicht mehr versehentlich verstellen.

Trotz des ausgewachsenen Gehäuses ist natürlich auch an der OM-D E-M1 der Platz für dedizierte Bedienelemente begrenzt. Für dieses Problem hat Olympus eine pfiffige Lösung ersonnen: Fast jeder Knopf und die Einstellräder sind mit zwei Funktionen belegt. An der Rückseite gibt es gut erreichbar für den Daumen einen Schalter, der zwischen den beiden Funktionsebenen umschaltet. Zudem können Sie sechs Tasten mit einer Funktion Ihrer Wahl belegen, drei der vier Tasten auf der Vierwegewippe sind ebenfalls frei konfigurierbar.

Der Wulst an der Vorderseite sorgt für sicheren Halt

Hat man erst einmal verinnerlicht, welcher Knopf welche Funktion aufruft, lässt sich die OM-D E-M1 auch beim Blick in den Sucher einstellen. Und in den elektronischen Sucher (EVF) der großen Olympus schaut man ausgesprochen gerne. Er ist zwar nicht ganz so groß wie der Sucher der Fujifilm X-T1, aber dennoch üppig bemessen. Die Abbildungsqualität des EVFs ist zudem bestechend. Der Sucher stellt selbst sehr hohe Motivkontraste sauber dar, außerdem passt sich seine Helligkeit automatisch dem Umgebungslicht an. Auf diese Weise kommt er der Darstellung eines optischen Spiegelreflexsuchers sehr nahe.

Das rückwärtige Display wird man wohl nur in Ausnahmefällen verwenden, etwa für Über-Kopf-Aufnahmen oder bodennahe Fotos. Dazu lässt es sich nach unten oder oben klappen, zur Seite schwenken geht aber nicht. Etwas unpraktisch ist, dass sich die Schnittstellenabdeckung an der rechten Kameraseite erst öffnen lassen, nachdem das Display weggeklappt wurde. Die Gummiklappen sind etwas fummelig zu öffnen und schließen, erfüllen aber ihren Zweck: sie dichten die Schnittstellen gegen Spritzwasser ab. Überhaupt ist die gesamte Kamera spritzwasserfest und damit bestens für Outdoor-Einsätze geeignet.

Ausstattung und Funktionen

Olympus zählt zu den Herstellern, die beim Funktionsumfang der Kameras eher klotzen statt kleckern. Obwohl sich die OM-D E-M1 klar an anspruchsvolle Fotografen wendet, verzichtet sie nicht auf eine Rundum-Sorglos-Vollautomatik. Das ist praktisch, wenn Sie die Kamera einmal einem weniger geübten Fotografen in die Hand drücken. Zusätzlich gibt es 20 Szenenprogramme, mit denen Sie die OM-D E-M1 blitzschnell auf das jeweilige Motiv einstellen. Zwölf Art-Filter erlauben ferner, die Aufnahmen kreativ zu verfremden.

Die Oberseite ist mit reichlich Optionen geschmückt

Für besonders knifflige Aufnahmesituationen hat die OM-D E-M1 ein paar Spezialfunktionen an Bord. So gibt es eine HDR-Automatik, die extreme Motivkontraste mittels unterschiedlich belichteter Mehrfachaufnahmen bändigt. Dummerweise setzt die E-M1 dabei die Empfindlichkeit auf ISO 200 fest, in dunkler Umgebung entstehen dadurch ungewollt lange Belichtungszeiten. Ähnlich unflexibel ist die Automatik „Sternenlicht“, die gleich acht Aufnahmen zu einem besonders rauscharmen Foto vereint, aber ebenfalls keinerlei Eingriffsmöglichkeiten erlaubt. Eine Panorama-Automatik fehlt der OM-D E-M1, es gibt lediglich einen Assistenten, der Ihnen hilft, die Einzelfotos für ein Breitbild korrekt auszurichten.

Bei den klassischen Funktionen eines Fotoapparats lässt die Systemkamera von Olympus dagegen kaum einen Wunsch offen. So bietet sie sehr weitreichende Möglichkeiten für Belichtungs-, Weißabgleich- und ISO-Reihen. Intervallaufnahmen, bei denen die Kamera in zuvor festgelegten Zeitabständen automaisch ein Foto schießt, sind mit der OM-D E-M1 ebenfalls möglich. Auf Wunsch setzt die Kamera diese Fotos sogar zu einem Zeitrafferfilm zusammen.

Olympus OM-D E-M1 (3 von 7)Einen Bordblitz sucht man im voluminösen Gehäuse der OM-D E-M1 vergeblich. Immerhin legt Olympus einen kleinen Aufsteckblitz mit in die Verpackung. Ansonsten lässt das das Blitzsystem kaum Wünsche offen. Es begeistert mit einer sehr kurzen Blitzsynchronzeit von 1/320 Sekunde, wartet mit allen wichtigen Funktionen von der Langzeitsynchronisation bis hin zum Vorblitz gegen rote Augen auf und erlaubt die drahtlose Steuerung eines entfesselten Systemblitzgeräts.

Bei Videoaufnahmen erweist sich das Kit-Objektiv M.Zuiko Digital 12-50 mm 3.5-6.3 ED EZ als kongenialer Partner der Om-D E-M1. Sein Zoomring lässt sich zum einen herkömmlich drehen. Zum anderen funktioniert er aber auch als Zoomwippe, die bei Filmaufnahmen sehr gleichmäßige Zoomfahrten zulässt. Videoaufnahmen profitieren zudem vom 5-Achsen-Bildstabilisator des Sensors, der Verwacklungen sehr zuverlässig minimiert – und zwar mit jedem Objektiv. Allerdings ist der an sich schnelle Autofokus bei Videoaufnahmen nicht ganz treffsicher, gelegentlich pumpt er etwas hin und her, bevor die Schärfe wieder sitzt. Die OM-D E-M1 erlaubt zwar Fotoaufnahmen, während sie ein Video aufzeichnet – allerdings unterbricht sie dann die Videoaufnahme für einen kurzen Moment.

Display und Bedienelemente an der Rückseite

Leistung

Wie es sich für eine Top-Kamera gehört, wartet die Olympus OM-D E-M1 mit eindrucksvollen Leistungsdaten auf. Im Serienbildmodus nimmt sie mit einer Rate von 10 fps auf, allerdings ohne den Fokus nachzuführen. Soll die Kamera die Schärfe für jedes Bild der Serie nachregulieren, geht die Rate auf etwa 6 fps herunter – für viele Actionmotive ist das immer noch schnell genug. Zudem hat Olympus die OM-D1 mit einem großzügig dimensionierten Pufferspeicher ausgestattet, sodass sie Serienbildaufnahmen für eine ganze Weil bei hohem Tempo durchhält.

Olympus OM-D E-M1 (4 von 7)Beeindruckend flott arbeitet der Autofokus OM-D E-M1, er stellt bei Einzelbildern mit einer kaum wahrnehmbaren Verzögerung scharf. Schade ist allerdings, dass die AF-Geschwindigkeit beim Videodreh und Serienbildaufnahmen nicht ganz mithalten kann. Die OM-D E-M1 weist neben dem üblichen Kontrast-Autofokus auch speziellen Phasenvergleichssensoren auf dem Bildwandler auf. Sie dienen vor allem dazu, den AF bei älteren Four-Thirds-Objektiven für Olympus-DSLRs zu steuern. Das funktioniert leidlich gut, in schummriger Umgebung stößt das Verfahren aber schnell an seine Grenzen.

Wiedergabe und Konnektivität

Nicht gespart hat Olympus bei den Bearbeitungsmöglichkeiten im Wiedergabemodus. Die OM-D E-M1 erlaubt es sogar, die Art-Filter-Effekte noch nachträglich anzuwenden. Und wer bevorzugt im RAW-Format aufzeichnet, wird sich darüber freuen, dass die OM-D E-M1 auf Wunsch eine JPEG-Datei aus den RAW-Aufnahmen entwickeln kann.

Bei der WiFi-Konnektivität gibt sich die OM-D E-M1 ebenfalls kaum eine Blöße. Das Pairing mit einem Mobilgerät ist denkbar einfach, dazu brauchen Sie lediglich einen QR-Code vom Display der Kamera mit dem Smartphone abfotografieren. Sind Kamera und Mobilgerät erst einmal miteinander verbunden, lässt sich die OM-D E-M1 fernsteuern, das Smartphone speichert die aufgenommenen Bilder oder versieht die Aufnahmen in der Kamera mit GPS-Koordinaten – um nur einige Beispiel zu nennen. Schön ist zudem, dass die OM-D E-M1 einen öffentlichen WiFi-Modus kennt. Der bietet sich an, wenn Sie nur mal schnell Fotos auf ein beliebiges Mobilgerät übertragen möchten, die Möglichkeit zur Fernsteuerung bleibt dabei außen vor.

Bildqualität

Die OM-D E-M1 basiert auf einen Bildsensor im Micro-Four-Thirds-Format, der kleiner ist als Sensoren im üblichen APS-C-Format. Dennoch muss man schon sehr genau hinsehen, um Einflüsse des recht kleinen Sensors auf die Bildqualität ausmachen zu können. Dabei hilft sicherlich, dass die E-M1 mit 16 Megapixeln nur moderat hoch auflöst. Jedenfalls wirken die Aufnahmen mit der OM-D E-M1 bis etwa ISO 3200 schön detailreich, Bildrauschen bleibt bis zu dieser ISO-Stufe praktisch unsichtbar. Falls noch höhere ISO-Stufen nötig werden, treten jedoch die Nachteile des kleinen Sensors zutage, die Bilder wirken zunehmend verwaschen und Bildrauschen wird immer stärker sichtbar.

Beispielaufnahme 1

Beispielaufnahme 2

Das preisoptimierte Kit-Objektiv erledigt seine Aufgabe ordentlich. Im Bildzentrum löst es sehr fein auf, an den Bildrändern dagegen nicht. Für Landschafts- oder Architekturfotos, die bis zu den Rändern hin feinste Details zeigen sollen, greifen Sie besser auf höherwertige Objektive zurück. Die hat Olympus glücklicherweise auch im Programm, zudem passen die Objektive von Panasonic.
Farben gibt die OM-D E-M1 sehr natürlich wieder, bei der Kontrastwiedergabe tendiert sie dagegen zur kräftigen Darstellung. Dabei löst sie jedoch Helligkeitsunterschiede sehr fein auf, die Dynamik leidet also keineswegs unter dem nominell recht kleinen Sensor.

Fazit

Die Olympus OM-D E-M1 ist vielleicht nicht preiswert, aber ihren Preis wert ist sie auf jeden Fall. Keine andere Kamera bietet derzeit einen derart fulminanten elektronischen Sucher wie die E-M1, die Bedienung gibt nach einiger Einarbeitungszeit kaum noch Rätsel auf. Sehen lassen können sich auch die hohe Serienbildrate und der schnelle Autofokus. Obwohl die OM-D E-M1 mit einem recht kleinen Sensor im Micro-Four-Thirds-Format vorlieb nehmen muss, liefert sie eine pieksaubere Bildqualität. Nur wenn eine sehr hohe Empfindlichkeit über ISO 3200 nötig wird, haben Kameras mit einem größeren Bildwandler leicht die Nase vorn. Dafür können bei der OM-D E-M1 die Objektive spürbar leichter und kleiner ausfallen.

(79 Rezensionen)

POSITIV

  • + sehr hochwertiges, wettergeschütztes Gehäuse
  • + schneller Autofokus
  • + bester elektronischer Sucher ihrer Klasse
  • + leistungsfähiger Bildstabilisator

Negativ

  • - kein Bordblitz (Miniblitz mitgeliefert)
  • - gewöhnungsbedürftiges (aber dann gutes) Bedienkonzept
  • - keine Panorama-Automatik

Preisvergleich

Endnote 1,9 Gut

Testergebnis

Wie wir bewerten?
  • Verarbeitung/Design
    1.5
     
  • Bedienung
    2.5
     
  • Ergonomie/Haptik
    1.5
     
  • Funktionen/Ausstattung
    1.5
     
  • Leistung
    1.5
     
  • Bildqualität
    2.0
     
  • Videoqualität
    2.0
     
  • Wiedergabe/Konnektivität
    1.5
     
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