Endnote 2,3 Gut
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Fujifilm X-T1 Testbericht

Redaktion, 13. November 2014
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Fujifilm blickt nicht nur auf eine lange Geschichte als Filmhersteller zurück sondern auch als Anbieter von Kameras. Bei seinen spiegellosen Systemkameras der X-Serie wird dabei die Tradition ganz hoch gehalten. So verzichtet die X-T1 auf Voll- und Motivautomatiken, die Bedienung lehnt sich stark an klassische Spiegelreflexkameras an. Auch beim Sensor verlässt die Fujifilm die ausgetretenen Digitalpfade und versieht den Bildwandler mit einer eigens entwickelten Farbmatrix. Das soll trotz der moderaten Auflösung von 16 Megapixel eine hohe Detailtreue liefern.

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POSITIV

  • + exzellenter elektronischer Sucher
  • + sehr robustes, wettergeschütztes Gehäuse
  • + ansprechende Bildqualität
  • + mit UHS-II-Karten sehr kurze Speicherzeiten
  • + hohe Serienbildrate

Negativ

  • - keine Vollautomatik/keine Motivprogramme
  • - ausgesprochen traditionelles Bedienkonzept
  • - Negativ keine RAW-Aufnahmen mit hoher ISO-Zahl möglich
  • - Bildqualität bei Videoaufnahmen
  • - kein Bordblitz (aber Aufsteckblitz beigelegt)

Design und Verarbeitung

Die Fujifilm X-T1 ist ein Arbeitsgerät, eine Schönheit ist sie nicht. Sie fällt für eine Kamera mit einem APS-C-Sensor ungewöhnlich groß aus, auf der Topplatte thronen diverse Einstellräder wie zufällig hingewürfelt. Auch der aufragende Sucherbuckel ist eine Hommage an das Kamera-Design der 70er und 80er Jahre.

Die Kamera ist nicht nur groß, sondern auch relativ schwer. Fujifilm fertigt das komplette Gehäuse aus einer widerstandsfähigen Magnesium-Aluminium-Legierung, das macht die X-T1 äußerst robust und hart im Nehmen. Zudem sind alle Öffnungen sorgfältig gegen Spritzwasser abgedichtet, frostsicher bis -10 Grad Celsius ist die X-T1 auch noch. Das Kit-Objektiv Fujinon XF 18-55 mm 2.8-4 OIS wirkt ebenfalls deutlich wertiger als bei anderen Herstellern üblich, spritzwassergeschützt ist es allerdings nicht.

Das Design der X-T1

Ergonomie und Bedienung

Wie ernst es Fujifilm mit der Tradition nimmt, zeigt sich, sobald Sie die X-T1 in die Hand genommen haben. Programmwählrad? Fehlanzeige! Stattdessen gibt es ganz klassisch ein Rad, mit dem man die Belichtungszeit einstellt. Und die Blende wird mit einem Ring am Objektiv vorgegeben. Ein weiteres Wählrad dient zu Vorgabe der ISO-Empfindlichkeit, hinzu kommt noch eines für die Belichtungskorrektur. Das mag auf den ersten Blick eingängig erscheinen, in der Praxis lässt sich die Fujifilm X-T1 jedoch nicht ganz so flüssig bedienen wie etwa die Olympus OM-D E-M1 oder die Sony A7. Als kleinen Ausgleich gibt es nicht weniger als sechs Funktionstasten, die sich mit einer von 17 Funktionen belegen lassen.

Die X-T1 liegt solide in der Hand

Hat man sich jedoch erst einmal an das etwas eigenwillige und traditionelle (um nicht zu sagen: altbackene) Bedienkonzept gewöhnt, bereitet die X-T1 viel Freude. Dazu trägt vor allem ihr elektronischer Sucher bei. Dieser EVF ist gigantisch groß, selbst professionelle DSLRs zeigen kein größeres Sucherbild. Die Anzeige bleibt auch in dunkler Umgebung brillant, bei schnellen Kameraschwenks schmiert das Sucherbild kaum nach. Bei Bedarf lässt sich die Anzeige sogar teilen. Dann erscheint das eigentliche Sucherbild verkleinert, daneben blendet die X-T1 einen vergrößerten Ausschnitt ein. Diese Fokuslupe hilft ungemein, wenn Sie von Hand scharf stellen möchten.

Für eine Kamera ihrer Größe dürfte der Handgriff der X-T1 gerne stärker ausgeformt sein. Immerhin bietet Fujifilm passend zur X-T1 zwei Zusatzgriffe an. Einer gibt lediglich zusätzlichen Halt, der zweite ist ein ausgewachsener Hochformatgriff mit einem zusätzlichen Akkufach. Dieser empfiehlt sich vor allem auch für längere Fototouren, denn mit einer Reichweite von ca. 350 Fotos ist der Energiespender der X-T1 nicht sonderlich potent.

Ausstattung und Funktionen

Beim Blick in die Ausstattungsliste der X-T1 fällt als erstes auf, was der Kamera fehlt: Motivprogramme oder gar eine Vollautomatik. Damit macht Fujifilm unmissverständlich klar, an wen sich die X-T1 richtet: An Fotografen, die wissen, welche Auswirkungen Blende, Belichtungszeit, ISO-Zahl etc. auf das Bildergebnis haben. Für gelegentliche Schnappschüsse eignet sich die X-T1 also nicht – aber dafür wäre sie sowieso viel zu schade.

Die Oberseite der X-T1

Ambitionierte Fotografen werden dagegen kaum eine Funktion bei der X-T1 vermissen. Am ehesten noch einen Bordblitz, als Alternative legt Fujifilm der Kamera immerhin einen kleinen Aufsteckblitz bei. Die minimale Blitzsynchronzeit ist mit 1/180 Sekunde etwas lang, Highspeed-Synchronisation kennt das Blitzsystem von Fujifilm überhaupt nicht.

Davon abgesehen gefällt die Kamera mit ihren vielfältigen Möglichkeiten das Bildergebnis weit an die eigenen Vorstellungen anpassen zu können. So simuliert die X-T1 auf Knopfdruck den Bildlook verschiedener analoge Filme des Herstellers, etwa den hochgelobten Velvia. Hinzu kommt noch eine Reihe an Effektprogrammen.

Bei den Assistenten für schwierige Motive hinkt die X-T1 der Konkurrenz etwas hinterher. Eine Panorama-Automatik hat sie zwar zu bieten, ein HDR-Programm fehlt ihr aber. Immerhin lässt sich die Tonwertwiedergabe sehr weit anpassen, um zum Beispiel auch Schattenpartien noch perfekt durchgezeichnet wiederzugeben. Die Möglichkeiten für Belichtungsreihen sind etwas begrenzt, die X-T1 nimmt lediglich drei Bilder auf.

Etwas eigenwillig arbeitet die ISO-Automatik der X-T1. Sie erlaubt es zwar, eine maximale Verschlusszeit festzulegen, die ist jedoch mit 1/500 Sekunde für so manches Actionmotiv zu lang. Ungewöhnlich ist zudem, dass Sie im RAW-Format mit maximal ISO 6400 aufzeichnen können. Sobald eine höhere ISO-Empfindlichkeit vorgegeben wird, schaltet die X-T1 unwiderruflich auf JPEG-Aufnahmen um.

Videoaufnahmen sind weniger die Stärke der X-T1. Zwar filmt sie in Full-HD bei 60 Vollbildern pro Sekunde, aber die Möglichkeiten zur Belichtungssteuerung und Fokusnachführung sind begrenzt. Beispielsweise erlaubt es die Kamera nicht, in die Belichtung einer Videoaufnahme einzugreifen, auch nicht im Modus M. Den Fokus kann sie während der Aufnahme zwar nachführen, jedoch lässt sich nicht vorgeben, auf welche Motivpartie der Autofokus zielen soll.

Leistung

Die Fujifilm X-T1 ist die erste Systemkamera, die mit einer UHS-II-Schnittstelle ausgestattet ist. Entsprechende Speicherkarten nehmen die Bilddaten mit einer Rate von bis zu 312 Mbytes/s auf und sind damit um ein Vielfaches schneller als herkömmliche UHS-Karten. Einen Vorteil bieten UHS-II-Karten insbesondere bei Serienbildaufnahmen, die die X-T1 mit flotten acht Bildern je Sekunde startet. Bei UHS-II-Karten bricht die Bildrate spürbar weniger ein, sobald der Pufferspeicher der Kamera gefüllt ist. Zudem ist die X-T1 mit einer schnellen UHS-II-Karte augenblich wieder aufnahmebereit, nachdem Sie eine Bildserie aufgenommen haben. Bei herkömmlichen Speicherkarten müssen Sie dagegen warten, bis die X-T1 alle Daten sicher aus dem Puffer auf die Karte übertragen hat.

Die Seitenansicht der Systemkamera

Fujifilm X-T1 (4 von 7)Damit bringt die X-T1 beste Voraussetzungen für Action-Fotografen mit. Das gilt vor allem auch, weil ihr Hybrid-Autofokus für eine Systemkamera recht schnell und vor allem sicher ist. Um möglichst viele Fotos einer Serie scharf aufzunehmen, greift die X-T1 allerdings zu einem Trick: Sie passt die Serienbildrate an die Fokusgeschwindigkeit an.

Wiedergabe und Konnektivität

So traditionell Design und Bedienkonzept der X-T1 sein mögen, unter der Hülle geht es zeitgemäß zu. Selbstverständlich hat die X-T1 auch eine WiFi-Verbindung an Bord. Über die lässt sich die Kamera via Smartphone oder Tablet nicht nur fernsteuern, auch die wichtigsten Aufnahmeparameter geben Sie via Mobilgerät vor. Schön ist auch, dass die X-T1 die aktuellen Ortskoordinaten von einem Smartphone beziehen kann und dann in der Metadaten der Bilddateien hinterlegt.

Als ausgereift präsentieren sich die Bildbearbeitungsfunktionen im Wiedergabemodus. Praktisch ist dabei vor allem auch die Möglichkeit, RAW-Aufnahmen direkt in der Kamera in JPEG-Dateien konvertieren zu können.

Bildqualität

Nicht nur beim Design und dem Bedienkonzept der X-T1 geht Fujifilm einen eigenen Weg, ihr Bildwandler ist ebenfalls anders aufgebaut als üblich. Fujifilm ordnet die Farbfilter vor dem Bildsensor nicht nach dem gebräuchlichen Bayer-Pattern an, sondern hat die X-Trans-Matrix entwickelt. Theoretisch soll die Kamera so eine höhere Auflösung erzielen, als mit herkömmlichen 16-Megapixel-Sensoren ist.

Beispielaufnahme 1

Beispielaufnahme 2

Doch grau ist alle Theorie, letztendlich kommt es auf das Ergebnis an. Und das kann sich bei der X-T1 durchaus sehen lassen. Die X-T1 gibt selbst allerfeinste Farb- und Helligkeitsunterschiede sauber wieder, sodass ihre Aufnahmen ausgesprochen detailreich und nuanciert wirken. Das gilt selbst bei höheren ISO-Stufen, bei denen so manch andere Kamera zum Verwischen feiner Details neigt. Zu einem guten Teil dürfte der gute Bildeindruck auch auf das hochwertige Kit-Objektiv zurückzuführen sein.

Mit sehr hohen ISO-Werten kommt die X-T1 allerdings nicht so gut klar. Bis ISO 3200 ist ihre Bildqualität ohne Fehl und Tadel, bei höheren Empfindlichkeitseinstellungen gehen jedoch viele Details verloren, dennoch wird Bildrauschen sichtbar. Immerhin ist das Rauschen von angenehmer Natur, sehr fein verteilt und ohne Farbstörungen.

Mit der Wiedergabe sehr hoher Motivkontraste hat die X-T1 etwas Mühe. Ihr Dynamikumfang ist im Vergleich zu anderen hochwertigen Systemkameras etwas eingeschränkt. Dabei dröselt sie feinste Helligkeitsabstufungen in hellen Bildbereichen deutlich besser auf als in den Schattenpartien. Insgesamt wirken die Aufnahmen dadurch etwas dunkel. Dabei enthalten die RAW-Dateien durchaus noch viel Tiefenzeichnung, in einem RAW-Konverter lässt sie sich gut rekonstruieren. Insgesamt liefert die Fujifilm X-T1 eine hervorragende Bildqualität, die selbst professionellen Ansprüchen genügt. Nur Empfindlichkeitsvorgen über ISO 3200 sollte man ihr höchstens im Notfall zumuten.

Fazit

Die Fujifilm X-T1 ist eine etwas eigenwillige Kamera, die nur in der Hand eines kundigen Fotografen zur Höchstform aufläuft. Eigenwillig ist zum Beispiel das Bedienkonzept, das sich stark an Kameras aus den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts anlehnt. Oder die Entscheidung von Fujifilm, die X-T1 weder mit einer Vollautomatik noch mit Motivprogrammen auszustatten. Auch beim Sensordesign geht Fujifilm einen eigenen Weg, was jedoch der Bildqualität durchaus zu gute kommt. Lediglich bei sehr hohen ISO-Werten kann die X-T1 nicht ganz überzeugen. Exzellent ist dagegen ihr elektronischer Sucher, er ist der beste, derzeit erhältlich ist. Billig ist die X-T1 auf keinen Fall, aber angesichts des Gebotenen sowie ihres massiven Metallgehäuses auf jeden Fall ihren Preis wert.

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POSITIV

  • + exzellenter elektronischer Sucher
  • + sehr robustes, wettergeschütztes Gehäuse
  • + ansprechende Bildqualität
  • + mit UHS-II-Karten sehr kurze Speicherzeiten
  • + hohe Serienbildrate

Negativ

  • - keine Vollautomatik/keine Motivprogramme
  • - ausgesprochen traditionelles Bedienkonzept
  • - Negativ keine RAW-Aufnahmen mit hoher ISO-Zahl möglich
  • - Bildqualität bei Videoaufnahmen
  • - kein Bordblitz (aber Aufsteckblitz beigelegt)

Preisvergleich

Endnote 2,3 Gut

Testergebnis

Wie wir bewerten?
  • Verarbeitung/Design
    2.0
     
  • Bedienung
    3.0
     
  • Ergonomie/Haptik
    1.5
     
  • Funktionen/Ausstattung
    2.5
     
  • Leistung
    2.0
     
  • Bildqualität
    2.0
     
  • Videoqualität
    2.0
     
  • Wiedergabe/Konnektivität
    2.0
     
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